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„Die Todgeweihten grüßen euch“ – Bis zum Tod hinter Gittern

Posted in Deutschland, Gesellschaft by Ramona on 18. November 2009

„Die Todgeweihten grüßen euch“ ist reiner Galgenhumor in der Gefangenen-Zeitschrift „der lichtblick“ (PDF), in der größten deutschen Justizvollzugsanstalt in Berlin-Tegel. Diese Zeitschrift gibt es seit 41 Jahren, also zur Zeit der letzten großen Reformen in der Bundesrepublik Deutschland („mehr Demokratie wagen…“, Willy Brandt). Inzwischen werden die Strafen für Verbrechen wieder härter. weil „das Volk“ dies so möchte und Die Urteile „im Namen des Volkes“ gesprochen werden. Resozialisierung ist da nur noch ein Randthema. Die Strafen orientieren sich mehr an der Obergrenze, wo sie oftmals nicht enden muss. Das Schlüsselwort ist „Sicherheitsverwahrung“ (SV) und mit diesem Nachschlag sitzt man bis zum Tode in Tegel. Betroffen sind davon natürlich Mörder oder Kinderschänder, aber auch einen Dieb oder Betrüger kann es treffen. Allerdings hatte man den letzten Betrüger entlassen, so das nur noch der erstgenannte Personenkreis in SV sitzt. Es werden immer mehr, es wird immer enger und die SVler immer älter. Die Mörder der RAF wurden nie zur SV verurteilt, aber auch die lässt die Justiz nur ungern aus ihren Fängen, wie man ja bei einer Frau der RAF sehen kann, die ihre Strafe verbüßt hatte und nun schon wieder seit lange Zeit in U-Haft sitzt weil sie am Telefon (was natürlich abgehört wurde) sich nach einer Crypt-Software für ihren Laptop erkundigte.

Alle zwei Jahre wird die SV von Gutachtern überprüft, Entlassungsempfehlungen gibt fast nie. So wurde Klaus A. mit knapp 76 Jahren, eine schwere Gefährlichkeit bescheinigt. Aber auch im Regelvollzug werden die Gefangenen immer älter. Der älteste ist 82 und wurde mit 76 zum ersten Mal straffällig, denn das Einstiegsalter wird höher. Als Beispiel sei der Rentner genannt, der aus Altersarmut zum Drogenschmuggler wird, selbst aber keinerlei Drogen konsumiert, und dann zu einer extrem hohen Haftstrafe verurteilt wurde. Die Masse der Gefangenen ist aber deutlich jünger, weil man die Gefängnisse mit jungen Hartz-IV-Empfänger füllt die schwarz gefahren sind. 150 Tage à 10 Euro am Tag kosten aber dem Steuerzahler 90 Euro am Tag, aber Strafe muss sein.

Mir ist durchaus klar das die meisten Leser immer nach einer harten Strafe für Verbrechen rufen und sich eigentlich gar mit diesen Thema beschäftigen wollen. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, dass Strafe nur Sinn macht, wenn die Hoffnung nicht stirbt? Warum soll ein Täter denn dann überhaupt noch leben, wenn er nicht mehr die Hoffnung hat, mal wieder herauszukommen? Was nützt der Gesellschaft ein Täter, der nicht resozialisiert wird? Ist es nicht auch so, dass die Gesellschaft einfach nicht in der Lage ist, mit diesen Menschen umzugehen? Auch jeder Straftäter ist Mitglied und Spiegelbild dieser Gesellschaft: Wegsperren ist nur einfach, weil es die Gesellschaft daran hindert, sich mit den „Problemen“ mal richtig auseinander zusetzen.

 

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